Russische Botschaft fordert von den USA Verzicht auf Militärübungen im Schwarzen Meer
23 Juni 2021
Die Russische Föderation fordert die USA und ihre Verbündeten auf, auf die Militärübungen See Breeze 2021 im Schwarzen Meer zu verzichten. Diese seien aggressiver Natur und würden die militaristische Stimmung in Kiew fördern, so die russische Botschaft in Washington.

Sea Breeze 2021, das multinationale Militärmanöver, welches auf dem Territorium der Ukraine und in den Gewässern des Schwarzen Meeres von 28. Juni bis 10. Juli stattfinden soll, fördert die militaristische Stimmung in Kiew. Dies geht aus einer am Dienstag auf Twitter veröffentlichten Erklärung der russischen Botschaft in Washington hervor. Hierin ruft Russland die USA auf, auf diese Übungen zu verzichten:
„Diese Manöver erhöhen das Risiko unbeabsichtigter Zwischenfälle.“
Überdies betonte die russische Botschaft, alle in dieser Region entstehenden Probleme könnten von den Schwarzmeerstaaten gelöst werden, ohne der „aufdringlichen Hilfe von außen“. Zudem seien diese Übungen aggressiver Natur, heißt es weiter.
Zuvor hatte der Pressedienst der US-Botschaft in der Ukraine berichtet, dass sich 32 Länder, darunter die Vereinigten Staaten, an den Übungen beteiligen werden. An den Manövern sollen 5.000 Soldaten teilnehmen sowie 32 Schiffe und 40 Flugzeuge zum Einsatz kommen.
https://de.rt.com/russland/119597-russische-botschaft-ruft-vereinigte-staaten/
Dem Bericht der 6. US-Flotte zufolge wird die Zahl der „teilnehmenden oder unterstützenden Staaten“ in diesem Jahr am größten sein. Dazu gehören unter anderem auch Nicht-NATO-Länder. Veranstalter der Manöver sind die Ukraine und die USA.
Russland ruft USA und ihre Verbündeten zum Verzicht auf Manöver im Schwarzen Meer auf
09:10 23.06.2021 (aktualisiert: 12:00 23.06.2021)

Lidia Sharapenko
https://snanews.de/20210623/russland-usa-verbuendete-verzicht-manoever-meer-2586187.html
Der Umfang der ukrainisch-amerikanischen Übungen Sea Breeze erhöht das Risiko unbeabsichtigter Zwischenfälle im Schwarzen Meer. Deshalb ruft Moskau Washington und seine Verbündeten auf, von den Manövern abzusehen. Dies erklärte die russische Botschaft in den USA.
Die Übungen sind vom 28. Juni bis zum 10. Juli geplant. Daran sollen 5000 Militärangehörige sowie 32 Schiffe aus 32 Ländern beteiligt sein.
Wie der amtliche Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, zuvor erklärte, werde die Nato unter dem Deckmantel der Übungen Sea Breeze moderne Waffen an die Ukraine liefern, die in der Folgezeit an die ukrainischen Streitkräfte und die nationalistischen Bataillone im Donbass übergeben werden würden.
„Der Maßstab und der offenbar aggressive Charakter der Übungen Sea Breeze entsprechen keineswegs den Sicherheitsaufgaben in der Schwarzmeer-Region“, heißt es in einer Mitteilung auf dem Twitter-Kanal der Botschaft.Die Diplomaten verweisen darauf, dass die Übungen „das Risiko unbeabsichtigter Zwischenfälle erhöhen und die militaristischen Stimmungen in Kiew begünstigen“„Wir fordern die USA und ihre Verbündeten nachdrücklich auf, auf das Trainieren militärischer Handlungen im Schwarzen Meer zu verzichten“, so die Botschaft. Es wird unterstrichen, dass aufkommende Probleme in der Region ohne von außen aufgezwungene Hilfe gelöst werden könnten.
USA kündigen das nach Truppenzahl größte Militärmanöver in Ukraine und Schwarzem Meer an
23 Juni 2021
https://de.rt.com/international/119574-usa-kuendigen-das-nach-truppenzahl-groesste-militaermanoever-in-ukraine-an/
Ein britischer Zerstörer ist unerlaubt in russische Gewässer an der Halbinsel Krim eingedrungen – da er nach Warnungen per Funk seinen Kurs nicht geändert hat, wurde dies durch Warnschüsse von einem Patrouillenboot und Warnabwurf von Splittersprengbomben erzwungen.

Ein russisches Patrouillenschiff und ein Kampfjet haben Warnschüsse abgegeben, nachdem der britische Zerstörer HMS Defender die Grenze des Landes im Schwarzen Meer verletzt hatte. Der Verteidigungsattaché der britischen Botschaft wurde von Beamten in Moskau einbestellt.
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums hatte das britische Marineschiff um 11: 52 die russische Grenze überquert und reiste drei Kilometer weit in das Küstenmeer am Kap Fiolent auf der Krim. Die Halbinsel wird vom Vereinigten Königreich nicht als russisches Land anerkannt und für für „illegal besetztes ukrainisches Gebiet“ gehalten.
Der Zerstörer wurde im Voraus über den Einsatz von Waffen im Falle einer Verletzung der russischen Staatsgrenze unterrichtet. Eine Reaktion auf die Warnung blieb jedoch aus. Weiterhin meldete der Pressedienst des russischen Verteidigungsministeriums:
Um jeweils 12:06 und 12:08 Uhr führte ein Patrouillenschiff des Grenzdienstes [des FSB] das [angekündigte] Warnschießen aus.
Um 12:19 führte ein [Bodenkampfflugzeug des Typs] Su-24m [der Schwarzmeerflotte] Bomben-Warnabwürfe (4 [Splittersprengbomben des Typs] OFAB-250) auf dem Kurs des Zerstörers HMS Defender durch.

Um 12:23 verließ die HMS Defender unter gemeinsamen Maßnahmen der Schwarzmeerflotte und des Grenzschutzdienstes des Föderalen Sicherheitsdienstes der Russischen Föderation die Grenzen des Territorialmeeres der Russischen Föderation.
Kurz bevor das Verteidigungsministerium den Vorfall publik machte, sagte Russlands oberster Armeechef Waleri Gerassimow auf einer Moskauer Sicherheitskonferenz, dass die Marineaktivitäten der NATO in der Nähe der russischen Grenzen „deutlich zugenommen“ hätten:
„Schiffe, die mit hochpräzisen Langstreckenraketenwaffen ausgestattet sind, operieren fast permanent im Schwarzen Meer und in der Ostsee“, sagte er und nannte die Aktionen „eindeutig provokativ.“

Der russische Senator Sergej Tsekow bezeichnete in einem Kommentar gegenüber RIA Novosti die Bewegungen des Kriegsschiffes als „eklatante Verletzung internationaler Normen“ und merkte an, dass die Aktionen „einen ernsten Konflikt provozieren könnten.“ Der erste stellvertretende Sprecher des Staatsrates der Autonomen Republik Krim Jefim Fix kommentierte den Vorfall so:
„Sie unterziehen Russland ständig Beißproben, prüfen unsere Wachsamkeit. Ich denke, die Zeit für eine sehr ernsthafte Antwort auf all diese Provokationen ist gekommen.“
Die HMS Defender ist ein Luftabwehr-Zerstörer, der 2009 vom Stapel lief und in erster Linie für die Flugabwehr und die Raketenabwehr konzipiert wurde. Derzeit führt er Einsätze im Schwarzen Meer durch. Vor dem jüngsten Zwischenfall lag das Schiff im Rahmen einer Unterzeichnungszeremonie im ukrainischen Hafen von Odessa, an der der britische Minister für Verteidigungsbeschaffung Jeremy Quin und der stellvertretende Verteidigungsminister der Ukraine Alexander Mironyuk teilnahmen. London und Kiew einigten sich darauf, dass Großbritannien Kriegsschiffe an die Ukraine liefert und die Briten dem Land auch beim Bau von Marinestützpunkten im Schwarzen Meer helfen wollen.
Das britische Verteidigungsministerium leugnete in einer vorläufigen Mitteilung auf Twitter unterdessen, dass Warnschüsse auf die HMS Defender abgefeuert wurden. Das Schiff führte „in Übereinstimmung mit dem Völkerrecht“ lediglich eine „unschuldige“ Durchfahrt durch ukrainische Hoheitsgewässer durch, so das britische Verteidigungsministerium. Man glaube vielmehr, dass das russische Militär Schießübungen veranstaltet habe:
„Wir glauben, dass die Russen eine Schießübung im Schwarzen Meer durchführten und die maritime Gemeinschaft vor ihren Aktivitäten gewarnt haben. Es wurden keine Schüsse auf die HMS Defender abgegeben, und wir erkennen die Behauptung nicht an, dass Bomben in ihren Weg geworfen wurden.“
Russisches Militär blockiert US-Konvoi in Nordsyrien – Lawrow kritisiert US-Besatzer scharf
https://de.rt.com/der-nahe-osten/119539-lawrow-kritisiert-us-besatzer-auf/
22 Juni 2021

Russisches Militär blockierte einen US-Militärkonvoi in al-Hasaka aufgrund der Verletzung von Sicherheitsprotokollen in Nordsyrien. Der russische Außenminister beklagte die Lage in Nordsyrien, die durch US-Sanktionen und durch die Besetzung des Gebietes östlich des Euphrat verschärft worden sei.

Russische Streitkräfte blockierten am Montag einen US-amerikanischen Militärkonvoi mit vier gepanzerten Fahrzeugen in der nordöstlichen syrischen Provinz al-Hasaka, da er gegen die „Sicherheitsprotokolle zur Konfliktvermeidung im Nordosten Syriens“ zwischen Russland und den USA verstoßen habe.

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Das US-Militär bewegte sich auf der Autobahn in der Nähe der Siedlung Tell Tamer in der Provinz al-Hasaka ohne vorherige Benachrichtigung der russischen Seite und verletzte somit bestehende Mechanismen zur Konfliktvermeidung. Das russische Militär blockierte deswegen den US-Konvoi. Infolgedessen war die US-amerikanische Einheit der Koalitionstruppen gezwungen, umzukehren und in ihr Gebiet zurückzufahren.
Al-Hasaka wurde von US-amerikanischen Soldaten und den sogenannten Syrischen Demokratischen Kräften (SDF) besetzt. Die USA haben jedoch ohne irgendein Mandat – weder aus Damaskus noch von den Vereinten Nationen – ihre Truppen in Syrien stationiert. Die kurdische Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens hatte bereits im August 2020 ein Abkommen mit den USA das syrische Öl betreffend geschlossen, und seither werden die syrischen Ölvorkommen durch die USA und die Milizen in Nordsyrien geplündert. Wiederholte Aufrufe der syrischen Regierung, die Besetzung des Landes zu beenden, werden dagegen ignoriert.
Der russische Außenminister Sergei Lawrow beklagte am Montag nach Gesprächen mit Helga Schmid, der Generalsekretärin der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), dass die humanitäre Lage in Syrien durch rechtswidrige US-Sanktionen und durch die Besetzung der Gebiete am östlichen Ufer des Euphrat verschärft worden wäre.
„Sie plündern Ölressourcen und andere Bodenschätze und verwenden die Mittel, das sie damit verdienen, um Projekte zu finanzieren, die von vielen als Förderung des Separatismus und als Provozierung des syrischen Staates angesehen werden.“
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Der russische Außenminister bezeichnete laut TASS die Lage im syrischen Gouvernement Idlib als nach wie vor katastrophal. Heute sei Idlib der einzige Ort in Syrien, wo humanitäre Hilfe von außen ohne Beteiligung der Regierung geleistet werde, fügte er hinzu. Lawrow erklärte, dass sowohl die Vereinten Nationen als auch westliche Länder die Erklärungen der syrischen Regierung zur Bereitschaft für Hilfslieferung über Damaskus immer wieder ignorieren.
Lawrow wies zudem darauf hin, dass einige europäische Staaten und die Vereinigten Staaten versuchten, die Rückkehr syrischer Flüchtlinge in ihre Heimat zu behindern. Die gesamte Hilfe, die der Westen aufbringt, leiste er ohne die Beteiligung der Regierung in Damaskus und unter Verstoß gegen die UN-Regeln. Diese Hilfe werde deswegen niemals dazu genutzt, Flüchtlingen bei der Rückkehr in ihre Heimat zu helfen, so der russische Außenminister.
Der Westen konnte Syrien nicht mit Krieg zerstören – jetzt lässt er mit Sanktionen das Volk hungern
https://de.rt.com/meinung/119313-westen-konnte-syrien-nicht-mit-krieg-vernichten-verhungert-volk-sanktionen/
Vor gut zehn Jahren lebten die Syrer in Sicherheit, physisch wie finanziell gesehen. Nach zehn Jahren Krieg gegen Syrien ist die physische Sicherheit zwar weitgehend wieder da – doch zunehmend zerstörerische westliche Sanktionen zwingen die Syrer in einen Existenzkampf.
Kommentar von Eva Bartlett
Der syrische Analytiker Kevork Almassian stellte treffend fest:
„Wäre der Krieg im Namen des CIA-Regimewechsels, wären Bewaffnung und Ausbildung von Zehntausenden Terroristen aus vielen Ländern, wären die drakonischen Sanktionen, die ausländische Besetzung des Nordens und Ostens, wären die Plünderung des Erdöls und die Verbrennung des Weizens auf den Feldern nicht gewesen, hätte Syrien jetzt eine glänzende Wirtschaftslage und einen hohen Lebensstandard.“
Als ich Syrien im Jahr 2014 zum ersten Mal besuchte, aber auch in den Jahren danach, schlugen täglich Mörsergranaten und Raketen aus dem von Terrorgruppierungen besetzten Gebieten Ostghuta auf Damaskus ein; in den von der Regierung kontrollierten Gebieten in Aleppo und anderswo in Syrien ebenfalls.
Eltern wussten nie, ob ihre Kinder von der Schule zurückkehren oder in der Schule unter Beschuss geraten würden. Unzählige syrische Zivilisten wurden in den letzten zehn Jahren durch solchen Beschuss verstümmelt, unzählige weitere getötet.
Man könnte also erwarten, dass im Jahr 2021, als der Terrorismus in Syrien größtenteils ausgerottet wurde, die Syrer zu einem normalen Leben wie vor zehn Jahren zurückkehren könnten. Doch die brutalen Sanktionen stürzten die Syrer im Laufe der Jahre wörtlich in die Hölle – und unter den jüngsten Sanktionen verschlechtert sich ihr Leben nunmehr exponentiell.
Eine ganze Hälfte des letztes Jahres verbrachte ich in Syrien, weil wegen der Pandemie-Wirren die Grenzen geschlossen waren. Da ich viel Zeit hatte, lief ich täglich stundenlang durch Damaskus. Eines Nachmittags wollte ich eine schöne Aussicht über die Stadt genießen und ging durch enge Gassen den Berg Qasioun hinauf. Dort traf ich auf Einheimische, die von Gemeinschaft und gegenseitiger Unterstützung in schweren Zeiten sprachen.


Unterstützung für Syrien? Beginn der EU-„Geberkonferenz“
Die Aussicht wollte ich auf Fotos festhalten und hielt an. Da rief die Stimme eines jungen Mädchens nach mir. Kurz darauf saß ich in einer bescheidenen Stube, trank kaltes Wasser und unterhielt mich mit seiner Familie.
Nur durch Zufall erfuhr ich, dass der Vater an Prostatakrebs erkrankt war und sehr unter dem Mangel an bezahlbaren Medikamenten litt: Diese waren aufgrund der Sanktionen immer schwerer zu beschaffen – und das war noch im April, also Monate bevor das US-Gesetz mit dem sadistisch-hämischen Namen Caesar Syria Civilian Protection Act in Kraft trat.
Sadistisch, weil die von diesem Gesetz vorgesehenen Sanktionen zwar angeblich die syrische Regierung und ihre Verbündeten ins Visier nehmen, um angebliche „Kriegsverbrechen“ gegen Zivilisten zu bestrafen und vor weiteren abzuschrecken – in Wirklichkeit aber ebendiesen syrischen Zivilisten endloses Leid zufügen. Damit prahlte, wie ich früher schrieb, der frühere US-Sondergesandte für Syrien James Jeffrey. Berichten zufolge äußerte er, dass die Sanktionen „zum Kurskollaps des syrischen Pfundes beigetragen“ haben.

Venezuela ist nicht Syrien – Doch die US-Kriegstaktik ist dieselbe
Dieses Muster konnten wir im Hinblick auf westliche Sanktionen bereits beobachten – in Venezuela machten sie nicht nur das Leben der Menschen zur Hölle, sondern erwiesen sich, wie ich auch bereits schrieb, als Mord an bis zu 40.000 Venezolanern in der Zeitspanne von nur einem Jahr. Dahingehende Daten lieferte das Center for Economic and Policy Research.
Ein kürzlich erschienener Gastartikel in der Financial Times befasste sich mit der andauernden (konzertiert von außen herbeigeführten) Wirtschaftskrise in Syrien. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf Sanktionen, und es wird festgestellt, dass 60 Prozent der Syrer unter Ernährungsunsicherheit leiden.
In Wirklichkeit könnte diese Zahl sogar wesentlich höher liegen, denn in einem Artikel auf Just Security vom Juli 2020, in dem die Rechtswidrigkeit der Sanktionen detailliert beschrieben wurde, nannte die Autorin 83 Prozent als Anteil der syrischen Bevölkerung, der unterhalb der Armutsgrenze lebe. Dieser Artikel bemerkte zu den Caesar-Sanktionen:
„Anders als die zuvor bestehenden Sanktionen gelten diese für Transaktionen überall auf der Welt, die die syrische Regierung oder bestimmte Sektoren der syrischen Wirtschaft betreffen – selbst wenn diese Transaktionen keinerlei Verbindung zu den Vereinigten Staaten aufweisen.
Solche Sanktionen legen die Wirtschaft eines Staates lahm, unterbrechen die Lieferbarkeit von Lebensmitteln, Medikamenten, Trinkwasser sowie Hygiene-, Reinigungs- und Kommunalbedarfsgütern, stören die Funktion des Gesundheits- und Bildungssystems und untergraben die Arbeitsfähigkeit der Menschen.“
„Dies sind keine unbeabsichtigten Nebeneffekte – sie sind der ganze Zweck der Übung.“
Der FT-Artikel bemerkt, dass nach Inkrafttreten des Caesar-Gesetzes das syrische Pfund „in den folgenden Monaten fast 70 Prozent seines Kurses gegenüber dem US-Dollar verlor. Dies löste eine Inflationsspirale aus, die sich auf die Lebensmittelpreise auswirkte: Diese haben sich im Jahr 2020 mehr als verdreifacht“.
Und ganz im Gegenteil zur Behauptung der USA, die Syrer mit diesen Sanktionen zu „schützen“, beeinträchtigt das Caesar-Gesetz „die lokale Wirtschaft vor allem im Bau-, Energie- und Finanzsektor auf das Schwerste und blockiert jegliche Möglichkeit eines Wiederaufbaus in dieser Phase des Konflikts geringerer Intensität“.
Obwohl ich die Ereignisse in Syrien nach meiner Abreise Ende September 2020 weiterverfolgte, war selbst ich bei meiner Rückkehr in der letzten Maiwoche 2021 über die durch die Decke gegangenen Preise für Grundlegendes sehr überrascht. Etwa ein halbes Kilo Hummus, das letztes Jahr noch 400 syrische Pfund kostete, kostet jetzt 2.200. Beim aktuellen offiziellen Wechselkurs von 2.500 zu 1 ist das etwas weniger als ein US-Dollar – aber das Durchschnittsgehalt in Syrien liegt auch bei 50.000 bis 60.000 syrischen Pfund pro Monat.
Im FT-Artikel heißt es, dass ein Kilogramm Rindfleisch „etwa ein Viertel des durchschnittlichen Monatsgehalts eines öffentlichen Angestellten kostet. Zum Vergleich: In Italien entspräche das 700 € pro Kilogramm. In Großbritannien? 300 £ pro imperiales Pfund“.
Ich unterhielt mich mit einem Freund, der nur ein Kind hat. Er schilderte, 15.000 syrische Pfund (ca. 6 US-Dollar) für Gemüse auszugeben, mit dem die Familie mehrere Tage auskommt. Damit ist ein Viertel seines Gehalts weg, und viele andere Ausgaben stehen dann noch erst an.
Das Midan-Viertel in Damaskus ist normalerweise voller Shoppingfreunde, die zu den berühmten Süßwarengeschäften kommen. An dem Tag, an dem ich dort war, war Midan jedoch nicht gerade überfüllt. Dort schilderte ein Zigarettenverkäufer, mit dem ich mich unterhielt, wie er das tägliche Brot für seine Frau und seine beiden Söhne wortwörtlich erkämpfen muss. Wie für die meisten Syrer ist der Zigarettenverkauf für ihn ein Zweitverdienst. Manche haben drei Jobs, arbeiten von morgens früh bis spät abends – und kommen trotzdem nicht über die Runden.
Er spricht von der Selbstversorgung, die Syrien vor dem Krieg bewerkstelligte, davon, wie damals jeder Arbeit hatte, aber jetzt die Menschen förmlich ersticken.
„Wir müssen rationieren! Früher habe ich jeden Monat ein Kilo Fleisch gekauft, aber jetzt kaufe ich 200 Gramm. Mein Gehalt beträgt 55.000, und wenn ich mit dieser zweiten Arbeit hier 50.000 dazuverdienen kann, habe ich 100.000 syrische Pfund. Aber dieser Betrag reicht immer noch nicht aus!
Gestern habe ich etwas Joghurt, Käse, eine Packung Mortadella und eine Schachtel Papiertücher gekauft. Ich habe 11.000 syrische Pfund bezahlt. Das war nur für einen Tag – und nur für das Frühstück.“
Ihm zufolge wirkt sich der durch Sanktionen bedingte Mangel an Düngemitteln und Insektiziden unmittelbar auf die Landwirtschaft aus.
In Damaskus traf ich mich auch mit dem französischen humanitären Helfer Pierre Le Corf, der seit sechs Jahren in Syrien lebt – die meiste Zeit davon in Aleppo. Le Corf, der in Aleppo mit einigen der ärmsten und am stärksten betroffenen Syrer arbeitet und lebt, sprach davon, wie die Sanktionen darauf abzielen, nicht nur Zivilisten zu töten, sondern auch die Hoffnung:
Wie Sanktionen aus Brüssel und Washington den Syrern die Zukunft stehlen
„Man sieht vielleicht keine verhungernden Menschen auf der Straße, aber das macht das Leid nicht allein aus. Die Menschen leiden im Stillen. Immer mehr junge Menschen verlassen das Land, nicht weil sie Syrien verlassen wollen oder sich hier unterdrückt fühlen, sondern aus dem Gefühl heraus, keine Hoffnung mehr zu haben.
Der Kurs der Währung ist von 50 syrischen Pfund [für einen US-Dollar, vor dem Krieg] auf 4.000 syrische Pfund gegangen. Da arbeiten die Menschen also von morgens bis abends, und am Ende des Tages fragen ihre Kinder vielleicht nach einer Banane. Ein Kilogramm Bananen kostet 5.000 syrische Pfund, und wenn man 60.000 im Monat verdient …“

Er sprach von dem Druck, dem die USA jedes Unternehmen und jede Person aussetzen, die mit Syrien zu tun hat, wie darauf Haft- und Geldstrafen stehen. „Sie zwingen Firmen dazu, nicht mit Syrien zusammenzuarbeiten“ – eben um Syrien zu isolieren.
„Ich kenne Familien, für die ich Medikamente zu besorgen versuche, die sie selbst nicht mehr finden können. Vor einer Woche musste ich einen Mann mit zu Grabe tragen, dem wir Medikamente gebracht hatten – er ist gestorben, weil wir sie nicht mehr finden konnten! Es wurden zuletzt 90.000 syrische Pfund pro Schachtel, er brauchte vier Schachteln pro Monat. Er brauchte mehr Arzneien und eine bessere Behandlung – und wir können hier beides nicht bekommen, weil es verboten ist. Verboten – warum? Weil sie vorgeben, es sei ‚doppelverwendungsfähig‚, vielleicht könne man es hier ja für die Armee verwenden. Und den Preis zahlen die Menschen, niemand sonst.“
In einem Interview auf Syria Insider verurteilte die britische Journalistin Vanessa Beeley die Sanktionen gegen Syrien mit den Worten:
„Die westlichen Regierungen lassen das syrische Volk verhungern. Sie nehmen ihm das Recht, nach Hause zurückzukehren, weil der Wiederaufbauprozess verzögert wird. Sie bestrafen das syrische Volk für den Widerstand des syrischen Volkes gegen das, was sie ihm auferlegen wollen. Mit der syrischen Regierung oder Präsident Assad hat das nichts zu tun.“
„Nicht-tödliche Praktiken, als die sie dargestellt werden, sind Sanktionen nie und nimmer. Sie sind mit die tödlichste aller Waffen, die im hybriden Krieg gegen das Volk eines angegriffenen Landes eingesetzt werden können.„

Medienbericht: US-Truppen sollen Weizen aus Syrien in den Irak schmuggeln
„Zur gleichen Zeit, in der die Sanktionen in Kraft sind, stiehlt der Westen das Öl, verbrennt die Lebensmittel oder schafft sie außer Syriens zum Verkauf – all das, um das syrische Volk seiner eigenen Ressourcen zu berauben, des Reichtums seines eigenen Landes.“
Beeley hielt jüngst eine sehr detaillierte Präsentation mit Schwerpunkt auf die Sanktionen. Dabei hob sie deren Auswirkungen nicht nur auf Einkommen, Nahrungsmittel und Medikamente hervor, sondern auch auf Treibstoff, Industrie, Landwirtschaft, Gesundheitsversorgung und medizinische Pflege sowie auf Krankenhäuser, und auf Strom- und Wasserversorgung.
Sie bemerkte treffend: „Man könnte argumentieren, dass die US-Koalition für den Völkermord in Syrien gemäß Artikel II (c) der Völkermordkonvention verantwortlich ist – vorsätzliche Auferlegung von Lebensbedingungen für die Gruppe, die geeignet sind, ihre körperliche Zerstörung ganz oder teilweise herbeizuführen.“
„Die US-geführte Koalition folgt im Effekt einer Politik der kollektiven Auslöschung des syrischen Volkes mit militärischen und wirtschaftlichen Mitteln. Das ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, ein Kriegsverbrechen und eine zum Himmel hoch schreiende Verletzung des Rechts auf Leben und auf ein Leben in Würde.
